MINUS 80 KILO IN EINEM JAHR

Ingo Janßen

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Gastbeitrag Ingo Janßen
Preisfrage: Was haben Deichbrüche, der Neujahrsmorgen und der inzwischen verstorbene indische Asket Prahlad Jani gemeinsam? Mehr als Du denkst…

Wir beginnen mit der Antwort an einem beliebigen, vergangenen Silvestertag. Es ist eine merkwürdige Zeit, so zwischen den Jahren. Ausgebremst von der Hektik des Alltages beginnen wir, uns Gedanken über die Vergangenheit und Zukunft zu machen. Schauen ehrlich in den Spiegel und der Kampf mit sich selbst beginnt:
„Eigentlich sollte ich mich gesünder ernähren.“ „Ich müsste abnehmen, dringend!!!!!“ „Ich muss Sport treiben“ „Ich muss mit dem Rauchen aufhören“…

Diese Echos in unserem Geist lassen sich beliebig individualisieren und ich bin mir fast sicher, dass jeder auf seine Art diese mentalen Zwiegespräche mit sich selbst geführt hat. Da die meisten Menschen sich aber nicht widerspruchslos in ein vermeintliches Schicksal ergeben wollen, erleben wir jetzt die Sternstunde des menschlichen Verstandes… die Geburt der guten Vorsätze.
Jetzt wird alles anders gemacht, und da das neue Konzept natürlich viele Facetten hat, muss genau geplant werden. Ziele werden nahezu militärisch pedantisch aufgestellt (man muss ja Visionen haben) und wir wollen alles gleich und sofort, wäre doch gelacht. Think big, und der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.

Jetzt kommt Prahlad Jani ins Spiel. Du kennst ihn nicht? Ehrlich gesagt, ich auch nicht wirklich. Es heißt, er habe 70 Jahre lang nichts gegessen. Im gesegneten Alter von 90 Jahren ist er 2020 verstorben. Ob das wirklich stimmt? Niemand kann das wahrheitsgetreu beantworten; wissenschaftlich gesehen, aber unwahrscheinlich.

Es spielt aber auch nicht die Rolle; was ich sagen möchte, mit der Größe der guten Vorsätze, erwarten wir von uns die Selbstdisziplin eines Prahlad Jani, und wir beginnen den Erfolg der Vorsätze, an dieser übermenschlichen Selbstdisziplin zu koppeln. Am Silvestertag ist auf jeden Fall genug Motivation für das Leben von drei indischen Asketen vorhanden.

So weit, so gut. Leider schreitet die Zeit voran, Tempus fugit und mit ihr auch die menschlichen Bedürfnisse.

In meinem alten Lateinbuch gab es die Parabel: „Vom Kampf der Glieder mit dem Magen“. So lässt sich gut umschreiben, was jetzt stattfindet und eigentlich ist klar, wer hier als Sieger aus dem Kampf hervorgeht.

Da sich die guten Vorsätze langsam auf dem Schlachtfeld zurückziehen und zu fliehen beginnen, entsteht in diesem Waterloo ein Vakuum, und nachdem die Vorsätze in einer Staubwolke am Horizont verschwinden, macht sich ein pragmatischer Fatalismus breit.

Überschrift: „Jetzt ist auch alles egal!“...