Fotograf bei der Arbeit

FAMILIENAUSFLUG NACH BRUCH-SAL

"Stark sein bedeutet nicht, nie zu fallen.
Stark sein bedeutet, immer wieder aufzustehen."

Sonntag, 5. Juni 2016

„Papa, was machst du denn für Sachen?“

Meine beiden Töchter Julia (24) und Laura (19) tauchen mit Tränen in den Augen am Eingang der Notaufnahme der Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal auf. Laura trägt ihr cooles Läuferoutfit, Julia sieht irgendwie so aus, als ob sie heute schon Sport gemacht hat. Neben mir, hinter einer Stellwand, liegt eine übel zugerichtete Sportlerin. Wahrscheinlich beim Radfahren gestürzt, die Ärmste.

„Keine Sorge, ist gar nicht so schlimm, wie es aussieht bei mir.“ Um ehrlich zu sein, ich hatte noch nicht in den Spiegel geschaut. Vermutlich ist es von Krankenhausplanern extra so eingerichtet, dass in Notaufnahmen kein Spiegel zur Verfügung steht.

„Wie kommt ihr denn hier her?“ wundere ich mich.

„Das fragen wir dich, Papa! Was ist denn bloß passiert?“ Man sieht ihnen den Schreck, der ihnen in die Glieder gefahren war, noch deutlich an den blassen Gesichtern an.

„Ach, mir ist ein Reifen geplatzt, und dadurch bin ich gestürzt. Kann ja mal passieren. Alles halb so wild. Wo gehobelt wird, fallen Späne!“ Als Vater hat man schließlich eine gewisse Vorbildfunktion und möchte schon gar nicht als Jammerlappen da stehen.

„Und warum ist dein Arm bitteschön eingegipst? Und dein Gesicht sieht aus, als ob du unter einen Trecker gekommen bist!“

Bevor ich antworte,  gehe ich ein paar Schritte auf sie zu.

„Papa, du humpelst auch!“

Ich bekomme aufgrund einiger anscheinend nicht zu übersehender Blessuren und der allgemeinen Situation in der Notaufnahme langsam das Gefühl, herunterspielen und bagatellisieren funktioniert gerade nicht so gut. Also gehe ich in die Offensive:

„Macht euch mal keine Sorgen Mädels, der Rettungswagen war innerhalb von zwei Minuten nach meinem Sturz da. Ich hatte aus den blutenden Wunden auch noch gar nicht so viel Blut verloren. Im Rettungswagen bekam ich von den Ersthelfern ein paar Fragen gestellt, die jedes Baby beantworten kann. Keine Ahnung, was das sollte. Natürlich konnte ich meinen Namen sagen. Ok, wo ich gerade war und welchen Wochentag wir haben, war mir auf die Schnelle nicht eingefallen, aber wir waren ja auch nicht bei ‚Wer wird Millionär‘ oder ‚Quizduell‘.“  

Dabei hatte der Tag so gut angefangen...